Sicher­heits­pla­nung

Gefähr­li­che Angrif­fe las­sen sich in gewalt­tä­ti­gen Bezie­hun­gen nie völ­lig aus­schlie­ßen. Sie kön­nen aber selbst eini­ges tun, um die Sicher­heit für sich und ihre Kin­der zu erhö­hen.

Nicht alle Vor­schlä­ge für eine Sicher­heits­pla­nung pas­sen auf jede Lebens­la­ge. Spie­len Sie mög­li­che Situa­tio­nen in Ihrer Phan­ta­sie durch und fin­den Sie Lösun­gen für Ihre kon­kre­te Situa­ti­on (Was tue ich, wenn er…). Wenn Sie in einer Situa­ti­on Angst spü­ren, ver­drän­gen Sie die­se nicht, son­dern betrach­ten Sie sie als Warn­si­gnal und erhö­hen Sie Ihre Auf­merk­sam­keit. Rufen Sie die Poli­zei lie­ber ein­mal zu oft als ein­mal zu wenig. Es ist der Poli­zei lie­ber, Sie gesund vor­zu­fin­den als miss­han­delt und ver­letzt.

Je nach­dem, ob Sie sich ent­schei­den, den Täter zu ver­las­sen oder wei­ter mit ihm zusam­men zu leben, kön­nen unter­schied­li­che Sicher­heits­as­pek­te von Bedeu­tung sein.

Solan­ge Sie mit dem Miss­hand­ler noch zusam­men­le­ben

  • Las­sen Sie sich nicht von Ihrem Umfeld iso­lie­ren! Pfle­gen Sie Kon­tak­te zur Nach­bar­schaft, zu Ver­wand­ten, Freun­din­nen, Eltern von Mit­schü­ler/-innen Ihrer Kin­der usw.
  • Beob­ach­ten Sie bewusst, in wel­chen Situa­tio­nen Ihr Part­ner gewalt­tä­tig wird.
  • Ver­las­sen Sie die Woh­nung, wenn Sie befürch­ten, dass er gewalt­tä­tig wer­den könn­te — lie­ber ein­mal zu oft, als ein­mal zu wenig.
  • Fin­den Sie die sichers­ten Stel­len in Ihrer Woh­nung her­aus: Wel­che Zim­mer sind abschließ­bar? Von wo kön­nen Sie am bes­ten flie­hen? In wel­chen Räu­men hat Ihr Han­dy Emp­fang? Mei­den Sie die Küche als Fluch­t­raum!
  • Ler­nen Sie Tele­fon­num­mern (Poli­zei, Not­ruf, Frau­en­haus, Nach­barn, Freun­dIn­nen) aus­wen­dig.
  • Wo ist die nächs­te Tele­fon­zel­le? Ist Ihr Han­dy betriebs­be­reit? Zögern Sie nicht, die Poli­zei anzu­ru­fen: 110. Der Poli­zei­not­ruf ist kos­ten­los.
  • Infor­mie­ren Sie ver­trau­te Men­schen über Ihre Situa­ti­on und ent­wi­ckeln Sie einen Plan und ein sicht­ba­res Zei­chen für den Fall, dass Sie Hil­fe brau­chen. Ver­ab­re­den Sie mit ihnen, was die­se dann tun sol­len.
  • Sagen Sie Ihren Kin­dern, dass es wich­tig ist, sich in Sicher­heit zu brin­gen, wenn irgend­je­mand gewalt­tä­tig ist.
  • Üben Sie mit Ihren Kin­dern, wie die­se Hil­fe holen kön­nen (Not­ruf 110). Sagen Sie Ihnen, dass Sie sich aus der Gewalt zwi­schen Ihnen und Ihrem Part­ner her­aus­hal­ten sol­len. Ver­ab­re­den Sie ein Signal, wann sie Hil­fe holen uind die Woh­nung ver­las­sen sol­len.
  • Üben Sie mit ihnen, die Woh­nung schnell und sicher zu ver­las­sen.
  • Schlie­ßen Sie gefähr­li­che Gegen­stän­de (Mes­ser, Werk­zeu­ge, Waf­fen etc.) weg.
  • Tra­gen Sie kei­ne Hals­tü­cher oder lan­ge Hals­ket­ten, die Ihr Part­ner benut­zen kann, um Sie zu wür­gen.
  • Erfin­den Sie plau­si­ble Grün­de, die Woh­nung zu ver­schie­de­nen Zeit­punk­ten tags oder abends zu ver­las­sen, um ihn dar­an zu gewöh­nen, dass Sie nicht immer da sind.
  • Hal­ten Sie regel­mä­ßig Kon­takt zu einer Bera­tungs­stel­le, einem Not­ruf oder einem Frau­en­haus.
  • Tra­gen Sie immer Klein­geld oder eine Tele­fon­kar­te (bzw. Ihr Han­dy) bei sich, um Hil­fe zu rufen. Über­prü­fen Sie, ob Ihr Han­dy über­all in Ihrer Woh­nung funk­tio­niert.

Wenn Sie sich vor­be­rei­ten, Ihren Part­ner zu ver­las­sen

  • Sam­meln Sie alle Bewei­se kör­per­li­cher Miss­hand­lun­gen, wie Fotos und Attes­te und bewah­ren Sie sie an einem siche­ren Ort auf (bei Freun­din, Nach­ba­rin, Anwältin/ Anwalt).
  • Fin­den Sie her­aus, wo es Hil­fe gibt; erzäh­len Sie ande­ren, was Ihr Part­ner macht. Sie brau­chen sich für die erlit­te­ne Gewalt nicht zu schä­men.
  • Wenn Sie ver­letzt sind, suchen Sie eine Ärztin/ Arzt auf (bun­des­wei­ter Not­dienst 1 92 92) und berich­ten Sie genau, was gesche­hen ist. Las­sen Sie Ihren Besuch und Ihre Ver­let­zun­gen attes­tie­ren.
  • Pla­nen Sie mit Ihren Kin­dern und fin­den Sie einen siche­ren Platz für sie (z.B. ein abschließ­ba­res Zim­mer oder bes­ser bei einem Freund oder Nach­barn, wo sie Hil­fe holen kön­nen). Ver­si­chern Sie Ihnen, dass es Ihre Auf­ga­be ist, sich selbst in Sicher­heit zu brin­gen und nicht, Sie zu beschüt­zen.
  • Füh­ren Sie ein Tage­buch über alle Gewalt­tä­tig­kei­ten und notie­ren Sie die Daten, Vor­fäl­le und Dro­hun­gen.
  • Neh­men Sie Kon­takt zu dem nächst­ge­le­ge­nen Frau­en­haus oder einer Bera­tungs­stel­le auf und las­sen Sie sich über Ihre recht­li­chen und sons­ti­gen Mög­lich­kei­ten infor­mie­ren, bevor eine Kri­se ein­tritt.
  • Heben Sie alle wich­ti­gen Tele­fon­num­mern und Doku­men­te an einer Stel­le auf, so dass Sie sie bei einer plötz­li­chen Flucht mit­neh­men kön­nen, ohne lan­ge zu suchen.
  • Brin­gen Sie einen Satz Klei­dung für sich und Ihre Kin­der zu einer ver­trau­ten Per­son.
  • Ver­su­chen Sie, Geld bei­sei­te zu legen oder bit­ten Sie ver­trau­te Per­so­nen, Geld für Sie zu ver­wah­ren.
  • Rich­ten Sie sich ein eige­nes Kon­to bei einer ande­ren Bank ein.
  • Über­le­gen Sie, wie Sie reagie­ren, wenn Ihr Part­ner von Ihren Tren­nungs­plä­nen erfährt.
  • Sie kön­nen die Poli­zei bit­ten, Sie zu beschüt­zen, wenn Sie Ihren gewalt­tä­ti­gen Part­ner ver­las­sen wol­len.

Nach­dem Sie eine Gewalt­be­zie­hung ver­las­sen haben

  • Ach­ten Sie dar­auf, nie mit dem Täter allei­ne zu sein.
  • Wenn Sie sich unter­wegs vom Täter bedroht füh­len, spre­chen Sie Pas­san­ten direkt mit der Bit­te um Hil­fe an. Etwa: “Sie, der Herr im grau­en Man­tel, ich wer­de bedroht, bit­te rufen Sie die Poli­zei.”

Wenn Sie in einer neu­en Woh­nung leben

  • Sichern Sie Ihre Woh­nung gegen Ein­bruch — ach­ten Sie auf Schutz­vor­rich­tun­gen wie Gegen­sprech­an­la­ge, Sicher­heits­schloss, Spi­on, Beleuch­tung, Bewe­gungs­mel­der. Die Poli­zei berät Sie.
  • Machen Sie Ihre neu­en Nach­barn auf Ihre Situa­ti­on auf­merk­sam und bit­ten Sie sie, die Poli­zei zu rufen, wenn es gefähr­lich wird.
  • Sei­en Sie vor­sich­tig, wem Sie Ihre neue Adres­se und Tele­fon­num­mer mit­tei­len; Sie kön­nen bei der Anmel­dung Ihrer neu­en Adres­se beim Ein­woh­ner­mel­de­amt ver­lan­gen, dass Ihre Adres­se nicht her­aus­ge­ge­ben wird. Für die gemein­sa­men Kin­der müs­sen Sie die Geheim­hal­tung der Adres­se ggf. gericht­lich bean­tra­gen.
  • Über­le­gen Sie sich, ein Post­fach zu mie­ten oder die Adres­se einer Per­son  Ihres Ver­trau­ens als Post­an­schrift  zu nut­zen.
  • Infor­mie­ren Sie Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an Ihrer Arbeits­stel­le und las­sen Sie Anru­fe für Sie — wenn mög­lich — nur über die Zen­tra­le gehen.
  • Wenn mög­lich, kom­men Sie nicht jeden Tag zur glei­chen Zeit zur Arbeit bzw. gehen nicht regel­mä­ßig zur glei­chen Zeit nach Hau­se. Rich­ten Sie Ihr Kom­men und Gehen so ein, dass immer vie­le Men­schen anwe­send sind.
  • Infor­mie­ren Sie die Schu­le Ihrer Kin­der; erwä­gen Sie, sie evtl. in eine ande­re Schu­le zu geben.
  • Sagen Sie den Per­so­nen, die Ihre Kin­der betreu­en, wer sie abho­len darf und wer nicht.
  • Ändern Sie Ihre regel­mä­ßi­gen Ter­mi­ne, von denen der Täter weiß.
  • Kau­fen Sie nicht in den gewohn­ten Geschäf­ten ein. Besu­chen Sie ande­re sozia­le Treff­punk­te und ach­ten Sie dar­auf, nicht allei­ne zu sein.
  • Rufen Sie die Tele­fon­ge­sell­schaft an und for­dern Sie eine Anruf-Iden­ti­fi­zie­rung. Ver­lan­gen Sie außer­dem eine Sper­rung der Anga­be Ihrer Tele­fon­num­mer im Dis­play des Anru­fen­den, so dass weder Gesprächs­part­ner noch sonst jemand Ihre neue, unre­gis­trier­te Tele­fon­num­mer her­aus­fin­den kann.
  • Wei­sen Sie Ihre Ver­trags­part­ner (Strom, Was­ser etc.) dar­auf hin, dass Ihre Adres­se geheim blei­ben muss!

Wenn Sie eine Woh­nungs­zu­wei­sung und Schutz­an­ord­nun­gen durch­ge­setzt haben und Sie in Ihrer alten Woh­nung blei­ben

  • Lesen Sie unter “Wenn Sie in einer neu­en Woh­nung leben” nach — vie­les gilt auch für den Fall, dass der Täter gehen muss.
  • Wech­seln Sie die Schlös­ser aus (evt. in Abspra­che mit Ver­mie­ter) und las­sen Sie Ihre Tele­fon­num­mer ändern.
  • Geben Sie eine Kopie der Schutz­an­ord­nun­gen dem Kindergarten/ der Schu­le und der nächs­ten Poli­zei­dienst­stel­le.
  • Infor­mie­ren Sie Schu­len, Freun­din­nen und Freun­de, Nach­bar­schaft und Ihre Arbeits­stel­le, dass Sie eine Woh­nungs­zu­wei­sung und Schutz­an­ord­nun­gen durch­ge­setzt haben.
  • Rufen Sie bei Ver­stö­ßen sofort die Poli­zei.
  • Infor­mie­ren Sie Ihre Kin­der über die Woh­nungs­zu­wei­sung und die Schutz­an­ord­nun­gen und erklä­ren Sie ihnen ent­spre­chend ihrem Alter die Bedeu­tung.