Häus­li­che Gewalt ist kein gesell­schaft­li­ches Randphänomen
Frau­en­be­ra­tungs­stel­le bie­tet Hil­fe für von Gewalt betrof­fe­ne Frauen

Teck­len­burg. Ver­trau­en und Sicher­heit — das erwar­tet man in einer häus­li­chen Gemein­schaft, auch wenn es zu einer Tren­nung kommt. Wenn statt­des­sen jedoch Bedro­hung und Gewalt erlebt wird, kann das für Opfer lebens­ge­fähr­lich sein.

Die Frau­en­be­ra­tungs­stel­le der Dia­ko­nie WesT e.V. kennt sol­che Dyna­mi­ken, denn die Mit­ar­bei­te­rin­nen sind regel­mä­ßig im Ein­satz für von häus­li­cher Gewalt betrof­fe­ne Frau­en. „Häus­li­che Gewalt ist kein gesell­schaft­li­ches Rand­phä­no­men, son­dern kommt in allen Bil­dungs- und Ein­kom­mens­schich­ten glei­cher­ma­ßen vor“, erläu­tert Ria Mes­ter von der Fach­be­ra­tungs­stel­le gegen sexua­li­sier­te Gewalt. „Häus­li­che Gewalt ist ver­let­zend, straf­bar und sie hat viel­fäl­ti­ge Erschei­nungs­for­men“ so Mes­ter wei­ter. Die­se rei­chen laut der Exper­tin von sub­ti­len For­men der Gewalt­aus­übung durch Ver­hal­tens­wei­sen, die Bedürf­nis­se und Befind­lich­kei­ten der Betrof­fe­ne igno­rie­ren, über Demü­ti­gun­gen, Belei­di­gun­gen und Ein­schüch­te­run­gen, Bedro­hung sowie psy­chi­scher und sexua­li­sier­ter Gewalt, Frei­heits­be­rau­bung bis hin zu Ver­ge­wal­ti­gun­gen oder gar zu ver­such­ten oder voll­ende­ten Tötun­gen. So ist es vor genau einem Monat in Ibben­bü­ren gesche­hen. Eine 44-jäh­ri­ge Frau wur­de durch ihren getrennt leben­den Ehe­mann gewalt­sam getö­tet. “Mög­li­cher­wei­se woll­te er die Tren­nung des Paa­res nicht akzep­tie­ren,” erklär­te der Lei­ter der Mord­kom­mis­si­on Kri­mi­nal­haupt­kom­mis­sar Frank Schnee­mann am Tat­tag in einer Pres­se­mit­tei­lung. Laut einer Stu­die aus dem Jahr 2017 wur­den welt­weit mehr als 50.000 Frau­en und Mäd­chen durch ihren (Ex-)Partner oder von einem ande­ren Fami­li­en­mit­glied getö­tet. Die­se Tötun­gen bezeich­net man als Femi­zi­de – bewuss­te Tötun­gen von Frau­en durch Män­ner auf Grund ihres weib­li­chen Geschlechts.

Das Beson­de­re an häus­li­cher Gewalt 

Häus­li­che Gewalt ent­steht nicht – wie z. B. bei einer Knei­pen­schlä­ge­rei – aus einer kon­kre­ten Situa­ti­on her­aus. Sie ist viel­mehr Aus­druck eines andau­ern­den Macht- und Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­ses zwi­schen Täter bzw. Täte­rin und Opfer“, erklärt Manue­la Klei­ne von der Frau­en­be­ra­tungs­stel­le. „Dabei ist typisch, dass sich die Situa­ti­on zunächst beru­higt und der oder die Gewalt­aus­üben­de sich ent­schul­digt, zu einem spä­te­ren Zeit­punkt jedoch erneut gewalt­tä­tig wird“, so Klei­ne wei­ter. Mit der Zeit wür­den die Abstän­de zwi­schen den ein­zel­nen Gewalt­aus­brü­chen dann kür­zer und die Schwe­re der Gewalt neh­me zu.

Häus­li­che Gewalt umfasst alle For­men phy­si­scher, sexu­el­ler und/oder psy­chi­scher Gewalt zwi­schen Per­so­nen in zumeist häus­li­cher Gemein­schaft. Dabei spielt es laut der Exper­tin­nen der Bera­tungs­stel­len kei­ne Rol­le, ob die Per­so­nen in Ehe, ein­ge­tra­ge­ner Part­ner­schaft oder ein­fach nur so zusam­men­le­ben. Eben­so ist es unbe­deu­tend, wel­che sexu­el­le Ori­en­tie­rung vor­liegt. Wich­tig ist, dass die Per­so­nen in einer Bezie­hung zuein­an­der­ste­hen (die noch besteht, in Auf­lö­sung befind­lich ist oder seit eini­ger Zeit auf­ge­löst ist). Häu­fig ist der Wohn­ort selbst der Tat­ort – wie auch im Fall der getö­te­ten Ibben­bü­re­ne­rin. Ria Mes­ter von der Fach­be­ra­tungs­stel­le stellt klar: „Häus­li­che Gewalt ist eine ernst­zu­neh­men­de Bedro­hung für Frau­en!“ Allei­ne im Jahr 2021 haben die vier Mit­ar­bei­ten­den der Bera­tungs­stel­le über 450 von Gewalt betrof­fe­ne Frau­en auf ihrem Weg in ein gewalt­frei­es Leben bera­ten, beglei­tet und unterstützt.

Frau­en, die von häus­li­cher Gewalt betrof­fen sind, kön­nen sich an die kreis­weit täti­ge Frau­en­be­ra­tungs­stel­le der Dia­ko­nie WesT e.V. wen­den: Tel: 05971/80073–70, Email: frauenberatungsstelle@diakonie-west.de Die Mit­ar­bei­te­rin­nen bie­ten kos­ten­los Bera­tung und Unter­stüt­zung für Frau­en in Not­si­tua­tio­nen, auf Wunsch natür­lich auch anonym.