21. Juli – Gedenk­tag für ver­stor­be­ne Drogengebraucher*innen
Dro­gen­tod ver­mei­den — Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung individualisieren

Die Coro­na-Pan­de­mie hat noch ein­mal ver­deut­licht, wie pre­kär die Lage für dro­gen­kon­su­mie­ren­de Men­schen in Deutsch­land ist: Allei­ne im letz­ten Jahr sind 1.581 Men­schen an den Fol­gen ihres Dro­gen­ge­brau­ches gestor­ben. Die Zahl der Dro­gen­to­ten ist bun­des­weit im Ver­gleich zum Vor­jahr um 13% gestie­gen. So hoch war die Zahl zuletzt vor 20 Jah­ren. Auch die Todes­fäl­le in Ver­bin­dung mit Koka­in und Crack sind um 33% gestie­gen. Der Anstieg von Men­schen, die an den Lang­zeit­fol­gen ster­ben, zeigt auf, dass drin­gen­der Hand­lungs­be­darf besteht. Vie­le die­ser Todes­fäl­le wären ver­meid­bar gewe­sen. „Maß­nah­men wie Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lun­gen und nied­rig­schwel­li­ge Bera­tungs­an­ge­bo­te kön­nen dazu bei­tra­gen, die Risi­ken für Drogennutzer*innen deut­lich zu mini­mie­ren“, berich­tet Bea­te Kui­pers, Dipl. Sozi­al­ar­bei­te­rin in der Sucht- und Dro­gen­be­ra­tungs­stel­le in Gronau.

Gera­de in Kri­sen­zei­ten wie die­sen ist es laut der Exper­tin­nen beson­ders wich­tig, dass sich Hil­fe­su­chen­de an die Bera­tungs­stel­len vor Ort wen­den kön­nen. „Beson­ders ein nied­rig­schwel­li­ger Zugang zu Behand­lungs­mög­lich­kei­ten vor Ort, z. B. kei­ne War­te­zei­ten für Gesprächs­ter­mi­ne oder auch der zur Ver­fü­gung ste­hen­de Sprit­zen­au­to­mat, sind für vie­le Drogennutzer*innen enorm wich­tig. Für vie­le nicht­be­han­del­te Opio­id-Kon­su­mie­ren­de füh­ren die immer noch strik­ten Rege­lun­gen zu Ver­sa­gens­ängs­ten. Die­se sind häu­fig aus­schlag­ge­bend dafür, dass sich Betrof­fe­ne gegen eine Behand­lung ent­schei­den“, erklärt Sozi­al­päd­ago­gin (B.A.) Miri­am Gil­lich. Eine kom­pe­ten­te, wohn­ort­na­he Bera­tung und eine indi­vi­du­el­le Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung sind häu­fig der ers­te Schritt aus der Sucht zurück in ein gesun­des Leben – da sind sich die Exper­tin­nen einig. Auch der Nord­kreis von Bor­ken kann zur Redu­zie­rung der Zahl der Dro­gen­to­ten bei­tra­gen. So wäre bei­spiels­wei­se der Aus­bau des Bus- und Bahn­net­zes hilf­reich, um das Errei­chen der sub­sti­tu­ie­ren­den Ärzt*innen und der Sucht­hil­feein­rich­tun­gen für Hil­fe­su­chen­de zu erleich­tern. Die Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung stellt eine Über­le­bens­si­che­rung für hero­in­ab­hän­gi­ge Per­so­nen dar und ermög­licht ihnen ein gesün­de­res Leben in gesell­schaft­li­cher Inte­gra­ti­on. Aktu­ell sind ledig­lich die Hälf­te der Hero­in­kon­su­mie­ren­den deutsch­land­weit sub­sti­tu­iert. „Um jeder hero­in­ab­hän­gi­gen Per­son eine Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung zu ermög­li­chen, benö­ti­gen wir auch im Nord­kreis von Bor­ken mehr Ärzt*innen, die sich bereit­erklä­ren eine Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung anzu­bie­ten“, so Gillich.

Die Bera­tung in der Sucht- und Dro­gen­be­ra­tung des Dia­ko­ni­schen Werks ist kos­ten­los. Die Mit­ar­bei­ten­den bera­ten sowohl bezüg­lich lega­ler, als auch ille­ga­ler Dro­gen und unter­lie­gen der gesetz­li­chen Schwei­ge­pflicht. Betrof­fe­ne, aber auch Ange­hö­ri­ge oder Freun­de kön­nen ganz ein­fach tele­fo­nisch oder per Email Kon­takt zu den Bera­tungs­stel­len in Len­ge­rich und Gro­nau aufnehmen:

Len­ge­rich:
Tel.: 05481/3054280, Email: suchtberatung@dw-te.de
Gro­nau:
Tel. 02562 / 701110, Email: suchthilfezentrum@dw-st.de

Wenn Sie Ihr Wis­sen zu den The­men Alko­hol und Niko­tin tes­ten wol­len, gehts hier zum Action­bound der Bera­tungs­stel­le Sucht in Lengerich!