Welt­frau­en­tag am 08.03.2021

Welt­frau­en­tag: 08.03.21: War­um Gleich­stel­lung eine Rol­le bei Gewalt gegen Frau­en spielt

Am 08. März bege­hen Frau­en in aller Welt den inter­na­tio­na­len Frau­en­tag. Seit über 100 Jah­ren stel­len sie die For­de­rung nach Gleich­be­rich­ti­gung in den Fokus der inter­na­tio­na­len Bericht­erstat­tung und pran­gern die nach wie vor herr­schen­de Unter­drü­ckung und man­geln­de Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en an. Ins­be­son­de­re im Arbeits­le­ben und der Ver­tei­lung der Care-Arbeit sind Frau­en gegen­über Män­nern auch heu­te noch benachteiligt.

Noch immer herrscht auf gesell­schaft­li­cher Ebe­ne kei­ne abso­lu­te Gleich­be­rech­ti­gung zwi­schen Män­nern und Frau­en. Noch immer wer­den zum Bei­spiel vie­le Frau­en bei glei­cher Arbeit schlech­ter bezahlt, noch immer sind weni­ger Frau­en in Vor­stän­den oder der Geschäfts­füh­rung gro­ßer Unter­neh­men zu fin­den. „Die man­geln­de tat­säch­li­che Gleich­be­rech­ti­gung zeigt sich auch beim The­ma häus­li­che Gewalt und steht damit in engem Zusam­men­hang“, so Manue­la Klei­ne von der Frau­en­be­ra­tungs­stel­le des Dia­ko­ni­schen Werks Teck­len­burg. „Man kann es auf die ein­fa­che For­mel brin­gen: „Je weni­ger Gleich­be­rech­ti­gung in einer Paar­be­zie­hung gelebt wird, des­to höher ist die Wahr­schein­lich­keit, dass Frau­en in einer Bezie­hung Gewalt erfah­ren““, so Klei­ne wei­ter. Häus­li­che Gewalt ist ein Aus­druck des struk­tu­rel­len Macht­ver­hält­nis­ses zwi­schen Män­nern und Frau­en in der Gesell­schaft. Die Täter üben Macht und Kon­trol­le aus, basie­rend dar­auf, dass Frau­en in ihren Augen nicht gleich­be­rech­tigt sind. Täter nut­zen dabei bewusst Stra­te­gien, um die Eman­zi­pa­ti­ons­be­stre­bun­gen ihrer Part­ne­rin inner­halb der Part­ner­schaft zu unter­bin­den und dadurch immer stär­ke­re Abhän­gig­keit vom gewalt­tä­ti­gen Part­ner zu schaf­fen. Hier zäh­len unter ande­rem psy­chi­sche Gewalt wie Bedro­hun­gen, Ernied­ri­gun­gen und Belei­di­gun­gen, wel­che das Selbst­wert­ge­fühl der Frau­en min­dern sol­len. Dar­auf folgt meist auch die Anwen­dung kör­per­li­cher und sexua­li­sier­ter Gewalt. Täter nut­zen dabei die kör­per­li­che Über­le­gen­heit ihrer Part­ne­rin gegen­über aus, um sich ihr zu bemäch­ti­gen und sie wei­ter zu ernied­ri­gen. In vie­len Fäl­len sor­gen die Täter zudem dafür, dass die Frau­en in der Part­ner­schaft dem Mann nicht nur psy­chisch und see­lisch unter­le­gen sind, son­dern wei­ter­hin auch finan­zi­ell abhän­gig sind. So dür­fen Frau­en in toxi­schen Part­ner­schaf­ten oft kein eige­nes Kon­to füh­ren und bekom­men ledig­lich ein Haus­halts­geld zuge­teilt, obwohl die Frau­en häu­fig sogar in Voll- oder Teil­zeit arbei­ten und somit einen gro­ßen Anteil des Haus­halts­ein­kom­mens erwirt­schaf­ten. Die­se finan­zi­el­le Abhän­gig­keit schafft eine wei­te­re Hür­de, dem Abhän­gig­keits­ver­hält­nis und der Gewalt in der Bezie­hung zu entfliehen.

Bedingt durch die anhal­ten­de Coro­na-Pan­de­mie zeigt sich eine dop­pel­te Ver­schär­fung der Situa­ti­on der Frau­en. Zum einen tra­gen sie die Haupt­last der Pan­de­mie, ob bei der Arbeit in sys­tem­re­le­van­ten Beru­fen oder zu Hau­se, wäh­rend Sie Home­of­fice, Home­schoo­ling, Haus­halt und die Ver­sor­gung der Fami­lie par­al­lel erle­di­gen. Zum ande­ren ver­schärft sich auch für vie­le Frau­en die häus­li­che Gewalt­pro­ble­ma­tik. „Der anhal­ten­de Lock­down, ein­ge­schränk­te Kon­tak­te, feh­len­de Mög­lich­kei­ten, der häus­li­chen Situa­ti­on zu ent­flie­hen oder in einem unbe­ob­ach­te­ten Moment Hil­fe zu suchen, ver­schärft die Situa­ti­on der von Gewalt betrof­fe­nen Frau­en“, warnt Ria Mes­ter von der Fach­be­ra­tungs­stel­le gegen sexua­li­sier­te Gewalt des Dia­ko­ni­schen Werks Teck­len­burg. Dabei droht den betrof­fe­nen Frau­en unter­schied­li­che For­men von Gewalt, „die häu­figs­ten aber sind psy­chi­sche, kör­per­li­che und sexua­li­sier­te Gewalt“, so Mester.

In den letz­ten Jah­ren haben jähr­lich über 350 Frau­en aus dem Kreis Stein­furt die Bera­tung und Hil­fe der Frau­en­be­ra­tungs­stel­le mit inte­grier­ter Fach­be­ra­tungs­stel­le gegen sexua­li­sier­te Gewalt in Anspruch genom­men. Die Bera­tungs­stel­le mit Sitz in Rhei­ne ist für den gesam­ten Kreis Stein­furt zustän­dig, dabei ist die Bera­tung stets kos­ten­los und auf Wunsch anonym. Die Arbeit der Sozi­al­ar­bei­te­rin­nen und Diplom­päd­ago­gin­nen reicht dabei meist weit über eine Sit­zung oder ein Tele­fo­nat hin­aus, in vie­len Fäl­len beglei­ten die Mit­ar­bei­te­rin­nen der Bera­tungs­stel­le die Frau­en über Mona­te hin­weg auf ihrem Weg zurück in ein selbst­be­stimm­tes Leben. Sie füh­ren nicht nur Bera­tungs­ge­sprä­che, son­dern beglei­ten die Frau­en auch zur Poli­zei, zu Gerichts­ter­mi­nen und sogar zu Ämtern und unter­stüt­zen Sie auch dabei, finan­zi­el­le Eigen­stän­dig­keit wie­der­zu­er­lan­gen, wenn dies gewünscht ist. Dabei arbei­ten sie aktiv mit der Poli­zei und vie­len wei­te­ren Kooperationspartner*innen im Kreis Stein­furt zusammen.

Hil­fe und wei­te­re Infor­ma­tio­nen erhal­ten Sie auf der Home­page des Dia­ko­ni­schen Werks Teck­len­burg, tele­fo­nisch unter 05971/ 800 73 70 oder  800 92 92 oder per Email an: frauenberatungsstelle@dw-te.de oder an fachberatung-gewalt@dw-te.de

Manue­la Klei­ne, Ste­fa­nie von Wehro­ther, Agnes Denk­ler und Ria Mes­ter bera­ten und beglei­ten Frau­en aus dem gesam­ten Kreis Stein­furt zurück in ein selbst­be­stimm­tes Leben.

Online Grup­pe für Jugendliche

Stress­le­vel – Ler­nen am Limit
Online­grup­pe für Jugend­li­che star­tet am 11.3.2021

Das Team der Bera­tungs­stel­le für Eltern, Kin­der und Jugend­li­che des Dia­ko­ni­schen Werks Teck­len­burg geht neue Wege. Nach sie­ben Wochen Home­schoo­ling sind vie­le Jugend­li­che am Limit. Sie sind genervt, unmo­ti­viert und gestresst, berich­ten die Mitarbeiter*innen der Bera­tungs­stel­le. „Wir wol­len ihnen eine Mög­lich­keit geben, sich mit ande­ren Jugend­li­chen aus­zu­tau­schen und unter pro­fes­sio­nel­ler Anlei­tung ande­re Ideen zu ent­wi­ckeln, mit dem Stress umzu­ge­hen.“, erzäh­len, Lukas Kues, Jan­na Tram­bacz und Julia Strauß.

Da Grup­pen­ar­beit vor Ort oder in der Schu­le momen­tan nicht mög­lich ist, bie­tet das Team eine neue Form an. Eine ers­te Online­grup­pe zum The­ma Stress­le­vel – Ler­nen am Limit star­tet an drei Aben­den im März, wei­te­re Ter­mi­ne zu ande­ren The­men sind in Planung.

Jugend­li­che, die sich ange­spro­chen füh­len, sind sehr herz­lich ein­ge­la­den, sich am 11.3.2021 um 17.00 Uhr ein­zu­log­gen. Den Link dafür erhal­ten sie, wenn sie eine Mail an: lukas.kues@dw-te.de senden.

 

Das Dia­ko­ni­sche Werk Teck­len­burg begrüßt neue Mitarbeitende

Teck­len­burg. Coro­na bedingt konn­ten im letz­ten Jahr kei­ne Prä­senz­ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den – so muss­te auch die Begrü­ßung der neu­en Mit­ar­bei­ten­den im Dia­ko­ni­schen Werk ver­tagt wer­den. Um nun den­noch allen neu­en Mit­ar­bei­ten­den die Arbeit im Dia­ko­ni­schen Werk vor­zu­stel­len und die Mit­ar­bei­ten­den unter­ein­an­der bekannt zu machen, muss­te der Vor­stand des Wer­kes krea­tiv wer­den. Am ver­gan­ge­nen Diens­tag wur­den erst­mals alle neu­en Mit­ar­bei­ten­den online im Dia­ko­ni­schen Werk begrüßt.

Über 60 neue Mit­ar­bei­ten­de konn­te das Dia­ko­ni­sche Werk Teck­len­burg in den letz­ten ein­ein­halb Jah­ren für die unter­schied­li­chen Abtei­lun­gen gewin­nen. Statt einer Begrü­ßungs­ver­an­stal­tung ein­schließ­lich Andacht in der Jugend­bil­dungs­stät­te, wie in den Jah­ren zuvor, wur­den die neu­en Mit­ar­bei­ten­den des Wer­kes in die­sem Jahr online begrüßt. In einem gemein­sa­men Zoom-Mee­ting brach­ten die Vor­stän­de des Wer­kes, Pfar­rer Jür­gen Nass und Ste­fan Zim­mer­mann, den neu­en Mit­ar­bei­ten­den die Viel­falt der dia­ko­ni­schen Arbeits­fel­der im Kir­chen­kreis Teck­len­burg näher: „Unser Auf­trag­ge­ber ist nicht von die­ser Welt, aber in die­ser Welt.“, begann Pfar­rer Nass die Erläu­te­rung des dia­ko­ni­schen Auf­tra­ges, „Wir arbei­ten nicht aus­schließ­lich am Gewinn ori­en­tiert, son­dern tra­gen Got­tes Lie­be wei­ter zu allen Men­schen, die unse­re Hil­fe benö­ti­gen.“ Die Arbeit des dia­ko­ni­schen Wer­kes unter­schei­det sich zur Arbeit in der frei­en Wirt­schaft vor allem dar­in, dass das Werk die erziel­ten Gewin­ne nicht an die Mit­glie­der aus­schüt­ten darf, son­dern als gemein­nüt­zi­ger Ver­ein alle Gewin­ne dem Ver­eins­zweck ent­spre­chend reinves­tiert – sei es in Pro­jek­te der Sucht­hil­fe, in die Arbeit des Frau­en­hau­ses, in den Aus­bau der ambu­lan­ten Pfle­ge oder in wei­te­re Berei­che der dia­ko­ni­schen Arbeit. Nach einer kur­zen Vor­stel­lungs­run­de aller Mit­ar­bei­ten­den und Ihrer Arbeits­be­rei­che wag­te der Vor­stand noch einen kur­zen Aus­blick auf die Zukunft des Dia­ko­ni­schen Wer­kes: Ab August wird eine Offe­ne Ganz­tags­grund­schu­le in Lee­den eröff­net. Zudem wird ab Mai eine Fach­be­reichs­lei­tungs­eben ein­ge­führt, die den Vor­stand im anste­hen­den Ver­schmel­zungs­pro­zess mit dem Dia­ko­ni­schen Werk in Stein­furt-Coes­feld-Bor­ken beglei­ten und ent­las­ten soll.

 

5 Jah­re Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle

Dia­ko­ni­sches Werk fei­ert 5‑jähriges Bestehen der Bera­tungs­stel­le für Schwan­ger­schaft, Schwan­ger­schafts­kon­flik­te, Fami­li­en­pla­nung und Sexualität 

Len­ge­rich. Die Bera­tungs­stel­le für Schwan­ger­schaft, Schwan­ger­schafts­kon­flik­te, Fami­li­en­pla­nung und Sexua­li­tät in Len­ge­rich fei­er­te im Janu­ar ihr fünf­jäh­ri­ges Bestehen. In die­sen 5 Jah­ren hat das Team der Bera­tungs­stel­le ein viel­fäl­ti­ges Ange­bot für Frau­en und Män­ner, Jugend­li­che, Eltern und Fach­kräf­te auf­ge­baut. In ers­ter Linie beglei­ten und bera­ten die Mit­ar­bei­te­rin­nen der Bera­tungs­stel­le Sofia Pain und Inga Fuhr­mann schwan­ge­re Frau­en und ihre Partner*innen bei allen Fra­gen rund um Schwan­ger­schaft und Geburt. Die Fra­gen, die die schwan­ge­ren Frau­en und ihre Partner*innen stel­len, sind genau­so unter­schied­lich wie die Lebens­si­tua­tio­nen, in denen sie sich befin­den. Wel­che finan­zi­el­le Unter­stüt­zung in der Schwan­ger­schaft kann ich bean­tra­gen? Wel­che Anträ­ge müs­sen wir stel­len? Wie pla­ne ich mei­ne Eltern­zeit und wie­viel Eltern­geld steht mir zu? Wie berei­te ich mich auf die Geburt vor und wel­che Geburts­kli­ni­ken gibt es in mei­ner Nähe? Was kann ich tun, wenn auf­grund der Schwan­ger­schaft part­ner­schaft­li­che Kon­flik­te ent­ste­hen oder sich verstärken?

Eine Schwan­ger­schaft löst vie­le Ver­än­de­run­gen in allen Lebens­be­rei­chen aus, die sehr unter­schied­lich bewäl­tigt wer­den kön­nen. In schwie­ri­gen Lebens­si­tua­tio­nen, wie zum Bei­spiel bei belas­ten­den Schwan­ger­schafts­ver­läu­fen, Fehl­ge­bur­ten oder im Schwan­ger­schafts­kon­flikt steht das Team der Bera­tungs­stel­le den Betrof­fe­nen zur Sei­te. Dabei gewäh­ren die Rat­su­chen­den den Bera­te­rin­nen Ein­bli­cke in ihre Lebens­si­tua­ti­on und ihre Gefühls­welt. Die­se Offen­heit emp­fin­den die Bera­te­rin­nen als gro­ßen Vertrauensvorschuss.

Wei­te­re The­men, mit denen Men­schen in die Bera­tungs­stel­le kom­men, sind Fami­li­en­pla­nung und Sexua­li­tät. Es kommt zum Bei­spiel nicht sel­ten vor, dass Eltern sich an die Bera­te­rin­nen wen­den, um ihre Unsi­cher­hei­ten im Umgang mit der Sexu­al­auf­klä­rung ihrer Kin­der zu bespre­chen und nach pas­sen­den Ver­hal­tens­wei­sen im erzie­he­ri­schen All­tag zu suchen. Wie und wann klä­re ich mei­nen 12-jäh­ri­gen Sohn auf? Wel­che Bücher kann ich mei­ner 6‑jährigen Toch­ter vor­le­sen? Wie reagie­re ich am bes­ten auf mich ver­un­si­chern­de Fra­gen oder Ver­hal­tens­wei­sen mei­ner Kin­der im Bereich der Sexua­li­tät? Sol­che und ähn­li­che Fra­gen beschäf­ti­gen vie­le Eltern, mit denen die Bera­te­rin­nen in der indi­vi­du­el­len Bera­tung oder bei the­ma­ti­schen Grup­pen­ver­an­stal­tun­gen arbei­ten. Nicht nur Eltern neh­men die­se Ange­bo­te wahr. Auch Teams der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tun­gen aus dem Ein­zugs­ge­biet (Len­ge­rich, Lad­ber­gen, Lie­nen, Wes­ter­kap­peln, Lot­te, Teck­len­burg) beschäf­ti­gen sich mit Unter­stüt­zung der Bera­te­rin­nen mit der Umset­zung einer sexu­al­freund­li­chen Erzie­hung in ihren Einrichtungen.

Das Team der Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tungs­stel­le blickt auf fünf span­nen­de und ereig­nis­rei­che Jah­re zurück. Auch in der Zukunft ste­hen die Mit­ar­bei­te­rin­nen den Klient*innen bei Fra­gen und in per­sön­li­chen Kri­sen zur Sei­te. Auch wäh­rend des Lock­downs sind wei­ter­hin per­sön­li­che Bera­tun­gen im Bera­tungs­zen­trum, tele­fo­ni­sche Gesprä­che oder Videobe­ra­tung möglich.

Kon­takt:
Schwan­ger­schafts­kon­flikt­be­ra­tungs­stel­le
Stet­ti­ner Stra­ße 25, 49525 Lengerich
Tel.: 05481/3054260
Email: skb@dw-te.de

 

Inga Fuhr­mann (links) und Sofia Pain

Akti­ons­wo­che für Kin­der aus sucht­be­las­te­ten Familien

Ich glaub­te, ich wäre schuld an der Sucht mei­ner Eltern.“

Len­ge­rich. Die Sucht­be­ra­tungs­stel­le des Dia­ko­ni­schen Werks Teck­len­burg betei­ligt sich an der inter­na­tio­na­len Akti­ons­wo­che für Kin­der aus sucht­be­las­te­ten Fami­li­en. Etwa jedes sechs­te Kind in Deutsch­land lebt in einer Fami­lie, in der min­des­tens ein Eltern­teil von Alko­ho­lis­mus oder Dro­gen­ab­hän­gig­keit betrof­fen ist. Die­se Kin­der lei­den unter einem beson­ders hohen Risi­ko, sel­ber eine stoff­li­che Sucht oder psy­chi­sche oder sozia­le Stö­rung zu ent­wi­ckeln. Mit der rich­ti­gen Unter­stüt­zung kön­nen sich Kin­der aus betrof­fe­nen Fami­li­en jedoch zu gesun­den, lebens­tüch­ti­gen Erwach­se­nen entwickeln.

Sie haben sich gestrit­ten, Sachen sind durch die Gegend geflo­gen, es war laut. Das ging meist bis spät in die Nacht hin­ein, so dass ich kaum schla­fen konn­te.“ Mari­na spricht ruhig, fast aus­drucks­los, wenn sie über ihre Kind­heit berich­tet. Bei­de Eltern­tei­le sind alko­hol­krank. Die Sech­zehn­jäh­ri­ge ver­sucht jeg­li­che Emo­ti­on hin­ter einer Mas­ke von Cool­ness zu ver­ste­cken. Doch als sie wei­ter­spricht, hört man die Trau­er in ihrer Stim­me. „Manch­mal haben sie mich für irgend­was ange­grif­fen, für was ich gar nicht ver­ant­wort­lich war. Mit der Zeit habe ich mich in mir sel­ber ver­kro­chen und war immer sehr ruhig. Und immer hat­te ich das Gefühl, dass ich dar­an schuld bin, dass mei­ne Eltern trin­ken.“ Berich­te wie der von Mari­na sind typisch für Kin­der sucht­kran­ker Eltern. Auf 2,6 Mil­lio­nen wird die Zahl der Kin­der aus sucht­be­las­te­ten Fami­li­en von Exper­ten geschätzt. Cir­ca jedes sechs­te Kind in Deutsch­land wür­de somit mit einer Such­ter­kran­kung auf­wach­sen, die meis­ten davon mit alko­hol­kran­ken Eltern. Sehr früh über­neh­men die­se Kin­der Ver­ant­wor­tung für die Eltern, nicht sel­ten erle­di­gen die Kin­der den Haus­halt und ver­sor­gen die klei­ne­ren Geschwis­ter. Oft ste­hen die­se Kin­der unter einem gro­ßen Loya­li­täts­druck, da über die Erkran­kung mit Außen­ste­hen­den nicht gere­det wer­den darf. Nie­mand außer­halb der Fami­lie soll erfah­ren, dass der Vater oder die Mut­ter ein Sucht­pro­blem haben. So dür­fen die Kin­der oft kei­ne Freun­de mit nach Hau­se brin­gen und erzäh­len not­falls Lügen­ge­schich­ten, um den Schein der Nor­ma­li­tät zu wahren.Eine sol­che Kind­heit kann sich bis ins Erwach­se­nen­le­ben aus­wir­ken. Ein Drit­tel von ihnen ent­wi­ckelt in der Jugend oder im Erwach­se­nen­al­ter eine eige­ne stoff­li­che Sucht. Ein wei­te­res Drit­tel zeigt psy­chi­sche oder sozia­le Stö­run­gen. Vie­le Kin­der, die mit einem sucht­kran­ken Eltern­teil auf­wuch­sen, suchen sich einen sucht­kran­ken Lebens­part­ner und leben damit das Pro­gramm wei­ter, das sie bereits als Kin­der ver­in­ner­licht haben.

Doch die­se Kin­der haben gute Chan­cen, sich trotz wid­ri­ger Kind­heits­um­stän­de rela­tiv gesund zu ent­wi­ckeln, wenn es in ihrer Umge­bung erwach­se­ne Ver­trau­ens­per­so­nen gibt, die sich ihnen zuwen­den, ihnen zuhö­ren und ihnen das Gefühl ver­mit­teln, ange­nom­men und wert­voll zu sein. Sol­che siche­ren Bezugs­per­so­nen kön­nen Groß­el­tern oder ande­re Ver­wand­te sein, aber auch Lehrer*innen, Erzieher*innen oder Sozialpädagog*innen. Dabei ist es wich­tig, die Kin­der oder Jugend­li­chen ernst zu neh­men und ihnen Infor­ma­tio­nen zur Sucht zu ver­mit­teln. Sie müs­sen erfah­ren, dass Sucht eine Krank­heit ist, an der sie kei­ne Schuld tra­gen. Sie müs­sen ver­ste­hen, dass sie als Kin­der den Eltern nicht hel­fen kön­nen und dass es nicht ihre Auf­ga­be ist, die Sucht zu hei­len. Schließ­lich müs­sen sie ermu­tigt wer­den, Kind zu sein, zu spie­len, die Welt zu ent­de­cken, Freund­schaf­ten zu ent­wi­ckeln und die eige­nen Fähig­kei­ten erpro­ben kön­nen. Die­se Infor­ma­tio­nen ent­las­ten Kin­der, hel­fen Ihnen, Schuld- und Scham­ge­füh­le zu über­win­den und stär­ken ihr Selbstwertgefühl.

Hilf­reich sind hier­bei vor allem Grup­pen­an­ge­bo­te, bei denen Kin­der aus sucht­be­las­te­ten Fami­li­en über ihre Sor­gen spre­chen kön­nen und erfah­ren, dass sie nicht allei­ne sind. Dies bie­tet die Bera­tungs­stel­le Sucht in Len­ge­rich in Form des Grup­pen­an­ge­bo­tes „Tram­po­lin“ für Kin­der im Alter zwi­schen acht und 12 Jah­ren an. Trotz des anhal­ten­den Lock­downs besteht zudem die Mög­lich­keit, der per­sön­li­chen Bera­tung vor Ort, es wird aber auch Tele­fon- oder Videobe­ra­tung ange­bo­ten. Die Bera­tung steht jedem offen, der Hil­fe benö­tigt, sei es als betrof­fe­nes Fami­li­en­mit­glied, als sucht­kran­kes Eltern­teil oder als außen­ste­hen­de Ver­trau­ens­per­son eines Kin­des aus einer sucht­be­las­te­ten Familien.

Infos und Kontakt:
Bera­tungs­stel­le Sucht
Stet­ti­ner Stra­ße 25, 49525 Lengerich
Tel: 05481 3054280
Email: suchtberatung@dw-te.de

Das Team der Bera­tungs­stel­le Sucht [es fehlt Katha­ri­na Jasper-Steinke]


Wei­te­re Informationen: 
NACOA Deutsch­land – Inter­es­sen­ver­tre­tung für Kin­der aus Sucht­fa­mi­li­en e. V
www.coa-aktionswoche.de
www.traudich.nacoa.de
www.kidkit.de